Veit Lindau – Liebe Radikal – „Wie du deine Beziehungen zum Erblühen bringst“

 
veit lindauVeit Lindau ist erfolgreicher Redner, Coach und Buchautor. Zusammen mit seiner Frau Andrea Lindau gründete er 1994 das Coaching-Institut „terralibra“. Zudem ist er unter anderem Gründer der Life Trust Akademie, dem Living Master Club und der Unternehmensberatung Erfolgswerk. Neben diesen Tätigkeiten hat Veit Lindau auch Bücher verfasst. Das neue Buch „Liebe Radikal“ beschäftigt sich mit der Neuentdeckung der Liebe und dem Aufräumen von falschen Vorstellungen, die uns von unserem Weg in eine glückliche Beziehung abhalten können. Der erste Teil des Buches befasst sich mit dem bewussten Einlassen auf die Liebe. Der zweite Teil untersucht die verschiedenen Qualitäten einer lebendigen Partnerschaft. Wir haben Veit Lindner in dem folgenden Interview zu seinem neuen Buch befragt.
 
In Ihrem Buch „Liebe radikal“ geht es darum, wie zwei Menschen idealerweise in einer Beziehung miteinander agieren sollten, um diese langfristig zu erhalten. Sie sprechen von „aktiv sein“, „Beziehung zum Erblühen bringen“ und „sich voll und ganz auf die Liebe einlassen“. Dies geht einher mit ihrem Buchtitel „Liebe radikal“. Können Sie bitte kurz beschreiben, welche Quintessenz Sie mit Ihrem Buch an ihre Leser richten möchten?

Viele Menschen „schlittern“ in Beziehungen hinein und hoffen, dass es dieses Mal funktionieren wird. Wenn es dann wieder schwierig, schmerzhaft oder öde wird, fühlen wir uns dem oft hilflos ausgeliefert. Wir geben viel zu schnell auf. Ich habe diese Erfahrung selbst mehrere Male gemacht und irgendwann realisiert: Das Gelingen einer Beziehung ist kein Zufall. Es ist eine Kunst. Kunst kommt von Können. Beziehungen zu eröffnen, sie lebendig zu gestalten, kann jeder von uns lernen. Die Quintessenz des Buches in Kurzform:
 

  • Der Wert einer Beziehung liegt nicht per se in ihrer Dauer, sondern in ihrer Lebendigkeit.
     
  • Lebendige Beziehungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie allen Beteiligten mehr Kraft und Freude geben.
     
  • Wir haben das Recht, mit Menschen zusammen zu sein, die uns gut tun.
     
  • Es ist möglich zu lernen, eine Beziehung bewusst und klar zu eröffnen, sie dann lebendig und konstruktiv zu gestalten.
     
  • Die meisten Menschen geben in Konfliktsituationen zu schnell auf. Erfolgreiche Kommunikation und ein intelligenter Umgang mit den eigenen Gefühlen sind wichtige Schlüssel, um Konflikte in Chancen zu verwandeln.
     
  • Das Ganze kann nur funktionieren, wenn sich alle Beteiligten wirklich aufeinander einlassen. Das muss nicht gleich fürs ganze Leben sein. Ich empfehle meinen Klienten oft, sich gegenseitig ein Jahr zu schenken und in diesem Zeitraum wirklich alles zu geben. Das führt sehr oft zu wunderschönen, positiven „Quantensprüngen“.

 

Sie sprechen von Entmystifizierung von Liebe und gleichzeitig setzen Sie einen Schwerpunkt auf die Selbstkonzentration und Selbstliebe. Warum ist es so wichtig, sich auf sich selbst zu konzentrieren und sich selbst zu lieben, um auch einen anderen Menschen zu lieben? Heißt es im Umkehrschluss, dass Menschen, die unter Selbstzweifel etc. leiden, keine Chance auf eine liebevolle Beziehung haben oder schlimmer noch keinen Partner finden?

Wenn dem so wäre, hätten wir gar keine Beziehungen mehr. ;-) Wer leidet nicht hin und wieder unter Selbstzweifel? Erst zu warten, bis man sich selbst richtig liebt, und dann in Beziehung zu treten – das wäre ein Trugschluss. Denn wir brauchen ja andere Menschen als Spiegel, um überhaupt festzustellen, wo und wie wir uns selbst noch nicht treu sind. Ich plädiere für Bewusstheit im Umgang mit unseren alltäglichen Selbstablehnungs-Neurosen. Wenn ich mir bewusst bin, was mir noch an Selbstachtung fehlt und bereit bin, mich selbstverantwortlich darum zu kümmern, dann werden meine nahesten Beziehungen zu Heilungsfeldern für alle Beteiligten. Dann lerne ich mich in der Reibung mit anderen besser kennen und achten. Findet das Ganze unbewusst statt, dann verwandelt sich die Beziehung in einen co-abhängigen Sumpf. Dann missbrauchen wir einander und versuchen, das Loch in uns durch die Zuwendung des anderen zu füllen. Das führt auf lange Sicht zu sehr viel Frust und Enttäuschung. Der andere ist nicht dafür da, deine Baustellen aufzuräumen. Doch er kann sie dir aufzeigen. Wenn sich zwei Menschen sehr wach auf diesen Prozess einlassen, steigen sie nebeneinander aus dem Sumpf der Selbstablehnung, werden stärker, heiler, klarer. Eine kostbare Erfahrung, die sehr miteinander verbindet. Selbstliebe und Beziehungskunst gehören zusammen.

Sich auf die Liebe voll und ganz einlassen bedeutet ja in gewisser Weise auch eine provozierte Abhängigkeit zum Partner. Denn wer bedingungslos liebt, öffnet sich im vollkommenen Maße und erhöht damit auch die Gefahr verletzt zu werden. Wie können Partner am besten miteinander umgehen, wenn Negativgefühle in einer Beziehung vorherrschen? Stichwort: Eifersucht, permanente Streitereien, Seitensprünge etc. Warum Scheitern ihrer Meinung nach so viele Beziehungen? Kämpfen die meisten Menschen nicht ausreichend für ihre Liebe?

Würden wir wirklich bedingungslos lieben können, würde uns auch nichts mehr verletzen. Was wirklich weh tut, sind nicht die emotionalen Schmerzen, sondern die Enttäuschung unserer Erwartungen. Das ist ein großer Unterschied. Hin und wieder unangenehme Gefühle wie Schmerz, Angst oder Ohnmacht gehören zu einer lebendigen Beziehung dazu. Niemand ist perfekt. Menschen begehen Fehler. Es ist möglich zu lernen, diese Gefühle nüchtern (ohne Kopfdrama) zu fühlen. Dann kommen sie, weiten unser Herz und gehen auch wieder. Was sie in unserem Leben hält:
 

  • Der Kampf gegen sie. Viele Menschen verstehen den Prozess ihrer Emotionen nicht. Sie laufen vor ihnen weg, indem sie sie unterdrücken, sich ablenken, in ihnen schwelgen oder den Partner wechseln. Dadurch lösen sich die Muster nie auf. Sie kommen wieder und wieder, bis sie angenommen werden. Emotionale Intelligenz (der achtsame Umgang mit deinen Gefühlen) ist absolut essentiell und erlernbar!
     
  • Keine klare, konstruktive Richtung in der Beziehung. Viele Konflikte entstehen, weil die Partner eben noch nicht wirklich JA zueinander gesagt haben. Weil nicht klar ist, wohin sich diese Beziehung entwickeln soll. Wenn es keine gemeinsame, positive Vision für die Beziehung gibt. Dann bleibt der kreative Geist an jedem Problem hängen und macht eine Riesensache daraus, anstatt so schnell wie möglich nach einer Lösung zu suchen.
     
  • Keine klaren, transparenten Vereinbarungen. Werden immer wieder wichtige Regeln gebrochen bzw. erst gar nicht aufgestellt, werden natürlich immer wieder Enttäuschungen erschaffen. Um sich wirklich öffnen zu können, braucht es Verbindlichkeit und Integrität.