Liebeskummer als Chance Claudia Bayerl im Interview

Bedienungsanleitung Liebe Claudia Bayerl ist Ideentrainerin und erfolgreiche Buchautorin. Sie ist Geschäftsführerin der Textakademie Augsburg und Vorstand des Instituts für Kreativitätstechniken. Jetzt hat sie ein neues Buch in Zusammenarbeit mit anderen Bestsellerautoren herausgegeben, mit dem Titel: „Bedienungsanleitung Liebe – 100 praktische Tipps für mehr Liebe im Leben!“ Das Buch ist nicht nur eine Anleitung für die partnerschaftliche Liebe, sondern gleichzeitig auch eine Sammlung von verschiedenen Verfassern zu den unterschiedlichen Formen der Liebe. Hier wird ein großer Schwerpunkt auf die Liebe im Alltag gelegt, wie diese gepflegt und aufrechterhalten wird. Ein weiteres Kapitel behandelt die Selbstliebe oder die Beziehung zu sich selbst. Die Texte sind mit humorvollen Illustrationen versehen, die den Lesegenuss des Buches steigern und der Thematik eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Ein anderer Bereich des Buches behandelt das Thema Liebeskummer. Hier wird eine Möglichkeit geboten, Liebeskummer auch als Chance zu betrachten, um am Ende das Leid hinter sich zu lassen.
Wir haben Claudia Bayerl zu diesem Thema näher befragt.

Frau Bayerl, in ihrem gemeinschaftlichen Werk „Bedienungsanleitung Liebe“, das Sie gemeinsam mit verschiedenen Autoren veröffentlicht haben, geben Sie den Lesern praktische Tipps, um deren Leben mit mehr Liebe zu bereichern. Damit suggerieren Sie, dass jeder Mensch Liebe erlernen kann, wenn man bestimmte Verhaltensregeln und Denkweisen aktiviert. Warum glauben Sie, haben so viele Menschen dennoch Probleme damit, Liebe in ihrem Leben zuzulassen und finden keinen passenden Partner, sind in ihrer Partnerschaft unzufrieden oder unglücklich verliebt?

Die Frage ist, was liebe ich an einem Menschen. Wie gehe mit diesem um. Wie gehe ich mit mir um? Ist dieser Mensch mir wichtig, dann gehe ich auch mit diesem gut um. Um meiner selbst willen. Ohne dass ich zu viele Erwartungen habe. Wenn ich etwas erwarte, dann wird es ein Geschäft. Dann ist es ein Deal, aber keine Liebe. Das ist aber ein anderes Modell.

Wenn man den anderen wieder mehr wertschätzt und seine Gefühle beobachtet, kann es sein, dass man sich wieder wohler fühlt und den anderen mehr sieht. Oder es kann passieren, dass ich zu dem Schluss komme, dass man nicht mehr zueinander passt. Dass die Beziehung schon lange zu Ende ist.

Stichwort: fehlende Selbstliebe: Der bekannte Satz: Nur wer sich selbst liebt, kann auch andere lieben wird in Ihrem Buch thematisiert. Mit welchen Tipps können Menschen, die unter einem fehlenden Selbstwertgefühl leiden, etwas für ihr Selbstbewusstsein tun? Damit sie offener für die Liebe ihrer Mitmenschen sind?

Hier gilt es zu beobachten, wie wichtig ich mir selber bin und wie wichtig ist mir der andere Mensch? Der Mensch reagiert so sensibel auf Herzlichkeit. Wenn ich offen und herzlich bin, wird das nicht ohne Folgen bleiben. Das Herz ist die stärkste Kraft des Menschen. Das gibt ihrer Kommunikation, ihrem Verhalten, Ihrer Gestik eine unglaubliche Power. Wenn man wirklich mit einem offenen Herzen auf den anderen zugeht, können viele positive Dinge entstehen. Wichtig ist, dass für eine Beziehung oder ein positives Grundgefühl gekämpft wird. Aber um seiner selbst willen. Ich bin schließlich selber dafür verantwortlich, dass es mir gut geht.

In Ihrem Buch thematisieren Sie auch den Bereich Liebeskummer und Liebesschmerz ausführlich. An anderer Stelle sagen Sie, dass Liebe den Menschen vor Verletzungen schützt. Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Denn die Menschen, die wir lieben, können uns auch verletzen. Wirkt die Liebe als Schutzkreis demnach nicht immer? Und was meinen Sie mit der Formulierung „wer liebt ist unabhängig“?

Liebeskummer ist immer der Schmerz, den das Herz hat. Das kann sich aber auch durch Entwertung der eigenen Persönlichkeit äußern, wie zum Beispiel, dass man einem nicht mehr so wichtig ist oder eine andere Person vorgezogen wird. Die Statistik sagt, dass 70-80% der Partnerschaften nicht mehr in einer erfüllten Beziehung leben. Ausgenommen ist die Anfangsphase des Kennenlernens. Es gibt in Partnerschaften den therapeutischen Begriff „vertrautes Unglück“, das heißt ich lebe in einer Situation, die mir nicht die Erfüllung meiner Grundbedürfnisse gibt. Auch wenn man keine Freude mehr erlebt, bleibt man in dieser Konstellation. Natürlich kostest das Kraft, aber der Betroffene hat das Gefühl die Kontrolle zu haben. Er hat gelernt mit den Verletzungen zu leben, weil die Angst zu groß ist einen Neuanfang zu wagen. Wichtig ist hier zu reflektieren und zu fragen, warum man selber unglücklich ist. Warum der Mensch in dieser Situation bleibt. Um aus diesem Kreislauf auszubrechen, ist es wichtig, wieder in die eigenen Gefühle und Empfindungen zu investieren. Um seiner selbst willen, um wieder eine glückliche Beziehung führen zu können. Je weniger Erwartungen der einzelne hat, umso freier kann man sich selber, und auch die Beziehung entwickeln.