Die Ehe – ein kontroverses Thema

Für die einen ist die Ehe und Heirat seines Partners der Höhepunkt einer Beziehung und besiegelt die Zugehörigkeit zwischen zwei Menschen. Für die anderen ist die Ehe ein altbackenes, leicht angestaubtes Konstrukt, deren Sinnhaftigkeit in Frage gestellt wird. Unabhängig davon, zu welcher Sichtweise man sich selbst dazugehörig fühlt – die Ehe, also das Gelöbnis vor Gott, jemandem in guten wie in schlechten Zeiten beizustehen und zu lieben, besitzt eine lange Tradition. Wir haben mit der Buchautorin Lena Blaudez gesprochen, die genau zu diesem Thema das Buch „Das Ehe-Quiz“ geschrieben hat und mit kleinen Anekdoten dem Mysterium „Ehe“ auf die Spur geht.

blaudezWie sind Sie auf die Idee gekommen ein Buch über die Ehe zu schreiben? Welche Position nimmt die Institution Ehe in Ihrem eigenen Leben ein?
Als ich mit Anfang 20 einen Mann zum Heiraten suchte, ging es darum, aus der DDR auszureisen, ohne deshalb ins Gefängnis zu gehen. Damit war die Ehe eine Zweck-Institution, deren Regeln ich mir zunutze machen konnte, um ein diktatorisches Land zu verlassen. Ich hatte das große Glück einen netten Franzosen zu finden, der die Scheinehe mit mir einging. Im DDR-Beamtendeutsch hieß das „Heirat mit anschließendem Wohnsitzwechsel“, was natürlich ein Hohn war, für alle die, die den Wohnsitz wechseln wollten – sprich das Land verlassen – aber nicht so viel Glück hatten. In jedem Fall bedeutet die Ehe, einen Vertrag mit weitreichenden Folgen einzugehen. Wenn man verliebt ist und auf rosa Wolken schwebt, glaubt man gerne, dass es eine rein romantische Angelegenheit ist – besonders Frauen. Sie wachen später öfter erschrocken auf: Oh, was habe ich da alles unterschrieben? Unter anderem deshalb habe ich das Buch geschrieben. Achtung, das neue Unterhaltsgesetz! Ihr müsst euch absichern. Das Thema Gender und Frauen habe ich auch im Berufsleben seit meiner Zeit in der Entwicklungshilfe immer als Hauptthema gehabt.

Wieso gibt es Ihrer Meinung nach immer mehr Singlehaushalte und Paare, die sich trotz Kinder gegen die Ehe entscheiden? Ist es die Angst vor dem Verlust der Freiheit?
Glaube ich nicht unbedingt. Vielleicht eher eine größere Freiheit. Ich regele meine Angelegenheiten alleine, ohne dass mir der Staat da in die Suppe spuckt. Denn die staatlichen Regeln sind ja immer zweckgeleitet. Wer das Sagen hat, macht die Musik. Und die Musik machen in unserer Gesellschaft noch immer hauptsächlich die Herren. Also Achtung, immer genau hingucken. Zum Beispiel ist allein die Tatsache aufschlussreich, wie viele gut betuchte Männer in Top-Positionen zum Jahresende hin heiraten. Es geht um die Steuer, sprich um Geld. Nicht um den Wonnemonat Mai.

Worin glauben Sie liegt das Geheimnis einer funktionierenden Ehe? Haben Sie persönliche Tipps, wie Paare das Eheleben besonders spannend und interessant gestalten können?
Ich denke, das man besser zusammenlebt, wenn es in der Beziehung nicht um „Wer hat das Sagen“ geht, sondern, dass einer auf die andere achtgibt und umgekehrt. Wenn jeder die gleiche Entscheidungsfreiheit hat, auch wenn der eine mehr verdient als die andere. Dass man sich gerade auch in den Fragen der Finanzen ganz klar einigt und keiner zu kurz kommt. Wenn man bedenkt, dass Frauen zumeist wesentlich weniger verdienen, besonders wenn Kinder da sind, dafür fast alle sozialen Bereiche schultern und am Ende des Lebens sehr viel weniger Rente bekommen, dann ist das natürlich höllisch ungerecht – aber vom Gesetz her rechtens. Da sollte vorgesorgt werden. Wenn sich beide gut fühlen und keiner unterdrückt oder bevormundet, dann ist das Eheleben auch viel lustiger.

Worin sehen Sie die Vorteile einer Ehe und glauben Sie, dass unverheiratete Paare eine ebenso stabile Partnerschaft erleben wie Verheiratete?
Ich glaube, diese Frage muss jede und jeder ganz individuell beantworten. Manche leben besser in einer sanktionierten und öffentlich anerkannten Form, also der Ehe. Sie fühlen sich abgesichert und brauchen das Gefühl der Anerkennung ihrer Lebensform durch andere, die das auch befürworten. Für sie hat die Ehe dann den Vorteil einer gefühlten Garantie. Das kann sich positiv auswirken. Unverheiratete können sicher eine genauso stabile Partnerschaft erleben, sie verlassen sich eher auf sich und ihre persönlichen Formen des Zusammenlebens. In beiden Fällen sollte, wie gesagt, genau hingeguckt und offen ausgesprochen werden, was sich jeder wünscht und erhofft.