Beziehungstipps vom Life-Coach Ronald Hempel

Beim Thema Eifersucht streiten sich die Gemüter: Während manche Menschen ein gewisses Maß an Eifersucht als positiv werten, da sie dies als Interesse des Partners interpretieren, lehnen andere eifersüchtige Verhaltensweisen komplett ab. Doch bei krankhafter Eifersucht sind sich alle weitestgehend einig: Sie belastet das Vertrauensverhältnis zum Partner und zerstört in der Regel die Beziehung. Betroffene, die einen extrem eifersüchtigen Partner haben, fragen sich häufig, ob sie etwas tun können, um dem entgegenzuwirken. Wir haben dem bayrischen Experte zum Thema „Gewaltfreie Kommunikation“ Ronald Hempel nicht nur diese Frage gestellt, sondern Ihn auch um Tipps für eine funktionierende Beziehung gebeten.

Hempel Ronald Foto (C) Stefan Schmid

Hempel Ronald Foto (C) Stefan Schmid

Herr Hempel, Sie haben gemeinsam mit Ihrer Frau ein Ratgeberbuch zum Thema liebevolle Partnerschaft durch gewaltfreie Kommunikation geschrieben und auch in Ihrer Arbeit als Mediator und Trainer spielt die Paarberatung eine wesentliche Rolle. Warum entsteht ihrer Meinung nach in einer festen Partnerschaft häufig so viel Konfliktpotential, was dazu führt, dass sich die Paare manchmal nicht selbst aus ihrer Krise befreien können, sondern sich Hilfe von außen suchen müssen?

„Wir Menschen sind alle unterschiedlich. Jeder ist in einem anderen Umfeld aufgewachsen, wurde von verschiedenen Menschen geprägt und hat seinen ganz eigenen Charakter entwickelt. Hinzukommt, dass im Laufe der Jahre jeder seine ganz eigenen Strategien zur Erfüllung seiner Bedürfnisse entwickelt und prägt. In einer Beziehung gehen leider viele Paare davon aus, dass der Partner automatisch die eigenen Bedürfnisse in gleichem Umfang teilen oder – noch schlimmer – dieselben Strategien verwenden muss. Wenn man nicht irgendwann erkennt, dass in einer glücklichen Beziehung die Bedürfnisse von BEIDEN Partnern gleichermaßen erfüllt sein müssen. Wenn die Partner nicht lernen, zwischen Bedürfnissen und Strategien zu unterscheiden, führt das zwangsläufig früher oder später zu Konflikten. Entscheidend ist hierbei, dass Konflikte nicht auf der Bedürfnisebene entstehen, sondern auf der Strategieebene.“

Was sind für Sie die elementaren Aspekte, die eine gesunde und glückliche Partnerschaft benötigt? Haben Sie Tipps für Paare, die sich gerade in einer Beziehungskrise befinden? Welchen Stellenwert messen Sie der richtigen Kommunikation zwischen zwei Partnern zu und was können Paare machen, um fehlende Kommunikation und Sprachlosigkeit zu beheben?

„In einer erfüllten Beziehung halte ich es für unabdingbar, ständig miteinander im Dialog zu sein. Das kann verbal oder nonverbal sein. Ich bin der Überzeugung, wenn man gegenseitig darüber im Bilde ist, was der andere gerade braucht und beide den festen Wunsch haben, miteinander glücklich zu sein, dann können sie das auch schaffen.
Sobald ein Partner für sich den Eindruck hat, es stimme etwas nicht, kann sich an der Situation nur etwas ändern, wenn er mit seinem Partner das Gespräch bzw. den Austausch sucht. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass man seinen Partner überfordert, wenn man erwartet, er könne einem die Wünsche von den Lippen ablesen. Eine respektvolle und einfühlsame Kommunikation ist daher für mich das A und O innerhalb einer glücklichen Beziehung.
Leider haben wir aber selten gelernt, auf diese Weise zu kommunizieren. Stattdessen sind wir es gewohnt, in einem Konflikt eine Form von Schuld zu suchen und diese dann zu verteilen. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ich bin am Ende der Schuldige oder mein Partner. In der Gewaltfreien Kommunikation hingegen macht man sich auf die Suche nach den unerfüllten Bedürfnissen – sowohl bei sich als auch beim Partner.“

Liebevolle PartnerschaftStichwort Eifersucht: Was können Paare tun, wenn die Eifersucht die Beziehung belastet? Sowohl in der Position des Eifersüchtigen als auch in Bezug auf die Person, die der Eifersucht ausgesetzt ist? Inwiefern spielt der eigene Selbstwert bzw. das Selbstbewusstsein eine Rolle?

„Eifersucht hat meiner Meinung nach viel mit Sicherheit und Vertrauen zu tun. Es kann eine ganze Reihe an Gründen haben, wenn bei einem oder bei beiden Partnern die Bedürfnisse nach Sicherheit und Vertrauen nicht erfüllt sind. Das kann natürlich mit bestimmten Erfahrungen zusammenhängen, die man mit dem Partner gemacht hat, muss es aber nicht. Jemand der in seinem Leben häufig enttäuscht wurde oder der nie in seinem Selbstbewusstsein bestärkt wurde, dem fällt es vermutlich prinzipiell schwer, zu anderen ein tiefes Vertrauensverhältnis aufzubauen. Aber auch in diesen Situationen ist es hilfreicher, sich mit seinem Partner auszutauschen und offen darüber zu reden, was man sich wünscht und braucht, um in der Beziehung glücklich zu sein, anstatt den Partner mit Vorwürfen und Anschuldigungen zu konfrontieren. In einem respektvollen Dialog, bei dem jeder der Beteiligten den anderen ernst nimmt, kann man gemeinsam nach Strategien suchen, die auch für jeden passen sollten. Fühlt sich hingegen der eine Partner am Ende kontrolliert oder der andere wird vor Sorgen krank, dann stehen die Aussichten auf eine erfüllte und glückliche Partnerschaft eher schlecht.“