Andrea Bielfeldt – Einmal Himmelblau und zurück

Die Liebe auf den ersten Blick – märchenhaft & bezaubernd

Fast jeder hat sie schon einmal erlebt: Die sagenumwobene Liebe auf den ersten Blick. Dieser magische Moment, wenn sich zwei Menschen begegnen und sie sofort spüren, dass da mehr ist als bloße Sympathie. Eine unterbewusste, elektrisierende Anziehung, die allein durch die Blicke des Anderen entsteht, ein Kribbeln im Bauch verursacht, die Handinnenflächen schwitzen und den Herzschlag ins Unermessliche höher schlagen lässt.

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Das Erste, was sie registrierte, waren seine himmelblauen Augen. In seinem Blick lag etwas, das sie durchströmte und sich als Wärme in ihrem Herzen ausbreitete, das Ameisen durch ihren Körper krabbeln ließ und ihren Verstand in Urlaub schickte. Es gab nur noch ihn und sie. In dem Moment wusste sie, dass sie diesen Mann kennenlernen wollte.*

andrea-bielfeldtAndrea Bielfeldt**, Autorin des Liebesromans „Einmal Himmelblau und zurück“ beschreibt in dieser kurzen Begegnungsszene ihrer beiden Protagonisten Johanna und John exemplarisch, welches Feuerwerk der Gefühle im Körper wüten kann, sobald man die Liebe auf den ersten Blick erlebt. Obwohl diese für viele Menschen ein komplettes Mysterium darstellt – denn wie soll ein so starkes Gefühl wie die Liebe in einem Bruchteil einer Sekunde entstehen? – kam fast jeder Mensch schon einmal mit ihr in Berührung. Eine von ihnen ist Andrea Bielfeldt, die diesen einzigartigen zwischenmenschlichen Moment zwischen zwei Menschen in ihrem Roman thematisiert und auch autobiografische Erfahrungen in ihre Geschichte mit einfließen ließ. Sie sagt:

Ich persönlich glaube an die Liebe auf den ersten Blick. Denn manchmal reicht wirklich der Bruchteil einer Sekunde, um sein Herz zu verlieren. Gerade wir Frauen lieben es doch, uns zu verlieben. Dieses Gefühl von hunderten von Schmetterlingen, die in unserem Bauch übermütig herumtoben. Die Aufregung, das starke Herzklopfen und die Hitze, die uns in Kopf und Körper schießt, wenn man nur an IHN denkt.

Doch nicht nur Andrea Bielfeldt fragt sich in ihren Überlegungen, ob es sich bei diesem einen kurzen Moment, bei dem sich erstmalig die Blicke zweier Menschen treffen, wirklich um Liebe handelt oder eher ein Gefühl des „Verliebt-Seins“ widerspiegelt. Denn für eine wahrhaftige Liebe, die in einer festen Beziehung ankert, bedarf es in der Regel mehr als die Faszination, die vom attraktiven Äußeren beider Personen ausgeht. Eine ansprechende Optik, der unterbewusste Körpergeruch, die positive Ausstrahlung oder eine angenehme Stimme allein vermögen es nicht, das Gefühl der Liebe entstehen zu lassen. Vielmehr ist es eine Kombination aus allem sowie gemeinsamen Ansichten und Interessen, die dafür sorgen, dass wir für einen Partner Liebe empfinden. Dafür bedarf es in der Regel jedoch Einiges an Zeit, und zwar Zeit zum Kennenlernen.

Verknallen kann man sich schnell. Wenn mir mein Gegenüber sympathisch erscheint und auch nur der Hauch einer Chance besteht, dass ich auch ihm gefalle, dann ist es meine größte Herausforderung, sich in sein Herz zu schleichen. Ob diese Begegnungen die Länge eines Drinks, eines Essens oder sogar für eine Beziehung ausreichen? Ich glaube, das findet man erst heraus, wenn man sich näher kennenlernt. Denn zu einer festen Beziehung und für tiefe Gefühle braucht es mehr, als nur einen Blick.

Somit ist die Liebe auf den zweiten Blick in den allermeisten Fällen die realistischere Variante der Gefühlsebene zwischen zwei Menschen, die sich interessant und anziehend finden und hat wohl auch die besseren Chancen, langfristig in einer glücklichen Partnerschaft zu münden.

Ich glaube auch, dass sich die Partner in den ersten drei Monaten einer Beziehung dem anderen anpassen, um ihm zu gefallen. Erst danach lässt man seine wahren Gewohnheiten und Bedürfnisse zum Vorschein kommen. Und wenn der andere ihn dann nimmt – mit all seinen Macken – dann ist es wirklich Liebe. Nicht umsonst heißt es: Drum prüfet, wer sich ewig bindet.

Das heißt jedoch nicht, dass Liebe auf den ersten Blick nicht existiert und eine stabile Beziehung unmöglich macht. Im Endeffekt ist es eine Angelegenheit, die individuell zwischen zwei Menschen entschieden wird und deren Ergebnis davon abhängt, was aus der Sache gemacht wird. Das beste Beispiel hierfür, liefert die Autorin selbst:

Die Liebe auf den zweiten Blick – die habe ich geheiratet. Ich kenne ihn schon seit der Schulzeit, aber wir waren nur Bekannte, ohne Gedanken, dass aus uns was werden könnte. Interessanterweise gab es mit eben diesem Mann Jahre später diesen einen Blick, der sich in mein Gedächtnis eingebrannt hatte. Es waren nur Sekunden, in denen sich unsere Blicke trafen, und doch hatte ich in seinen Augen etwas gesehen, das mir unter die Haut ging. Nach vielen Jahren trafen wir uns erneut und plötzlich krochen Gefühle in mir hoch. Als ich einige Monate nach unserem Beziehungsstart auf diesen einen magischen Moment zu sprechen kam, erinnerte er sich sehr gut daran. Und er gab zu, dass er genau das in seinen Blick gelegt hatte, was ich bis dahin verdrängt hatte: seine Liebe für mich. Was ich damit sagen will, ist, dass aus der Liebe auf den ersten Blick eine feste Partnerschaft entstehen kann, genauso, wie aus der Liebe auf den zweiten Blick.

 


 

*Textauszug: „Einmal Himmelblau und zurück“ (2013)

**Andrea Bielfeldt wurde am 29. Januar 1973 in Hannover geboren. Sie ist glücklich verheiratet und lebt mit ihrem Mann, ihren beiden Jungs und einem Hund in einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein. Ihr Buch „Einmal Himmelblau und zurück“ erschien im Herbst 2013 und erzählt die wunderschöne Liebesgeschichte zwischen Johanna und John.